Deutsch

[deu.]: MEIN LEBEN IN NORWEGEN

Mehr als ein ganzer Monat ist jetzt schon vergangen seit ich in Norwegen angekommen bin. In der ganzen letzten Zeit ist so unfassbar viel passiert, deswegen ist es jetzt mal Zeit für ein bisschen Reflexion: Ist es sinnvoll? Bringt es mich weiter? (Zitat aus: Annes offizielles, anti-heimweh, kleines-Lächeln-bereitendes Travelbuch) 

Hornsjø ist ein winzig kleiner Ort im Osten von Norwegen. km über NN mitten auf einem Berg steht das Gebäude meiner Schule und das Hotel. Allein schon die Lage von diesem Ort hat mein Leben auf unterschiedliche Art und Weise verändert. Weil wir so weit weg von allem anderen, mitten in der Natur leben, gibt es wenn man aufwacht keinen Autolärm nur die Glocken der Kühe und Schafe. Das bedeutet auch, dass es super schlechtes Netz gibt und weder das WLAN noch Mobile Daten wirklich funktionieren. Ich habe also seit einem Monat keine Youtubevideos oder Netflixserien gucken können, außer wenn ich sie in der nächstgrößeren Stadt am Bahnhof runtergeladen habe, aber selbst das funktioniert so gut wie gar nicht. 

Dass das Internet so schlecht ist, hat aber auch seine guten Seiten. Man kommt viel öfter dazu sich mit all den vielen Menschen aus der ganzen Welt zu unterhalten, die in Hornsjø leben. Und das sind ganz schön viele. Jeden Tag kommen und gehen neue Leute in der Schule ein und aus: Alte und neue Teilnehmer von Programmen, Workaways, Leute, die in Hornsjø arbeiten, als Lehrer oder im Hotel, aber auch Freunde oder Verwandte, die die Teilnehmer hier besuchen. Jeder ist jederzeit willkommen, also herrscht immer ein  Kommen und Gehen. Man lernt dadurch so viele verschiedene Leute mit ihren Geschichten, Perspektiven und Hintergründen kennen, gleichzeitig muss man sich auch oft von neuen Freunden verabschieden oder aber feste Freundschaften können gar nicht erst entstehen, weil man nicht genug Zeit miteinander verbringen konnte.

Gleichzeitig ist es aber für mich eine großartige Möglichkeit für mich mehr aus mir heraus zu kommen und mich mit vielen fremden Menschen zu unterhalten. Die Gespräche hier sind immer super interessant, besonders wenn jemand den anderen etwas vorstellt von dem er sehr begeistert ist. Dann reden wir über Themen wie Fast Fashionoder Law of Attraction.

Im Allgemeinen habe ich dadurch verstanden, wie gut es ist man selbst zu sein und das zu machen was man möchte und vielleicht nicht immer nur das zu tun, was andere von einem erwarten, denn das macht mich am Ende sehr viel zufriedener mit mir selbst. 

Zum Glück gehen nicht alle Menschen wieder weg, ein paar Leute sind immer da und die sind mittlerweile sehr gute Freunde geworden. Außer unserem Team gibt es noch ein Team, das ein Programm für zwei Jahre macht und gerade genau wie wir für einige Monate zum Lernen in Norwegen. Wir verbringen hier viel Zeit miteinander, gerade weil unser Team so klein ist. Wir gucken uns Dokumentationen an oder teilen jeden Morgen in einem Meeting Themen, die uns begeistern. Jeder von uns ist total unterschiedlich gerade weil alle aus anderen Ecken Europas kommen und fast niemand aus demselben Land kommt. 

Einkaufen in Norwegen kann ganz schön knifflig werden, wenn man so ein Sparfuchs ist wie ich. Denn egal was man kaufen will, es ist super teuer. Eine normale Tafel Schokolade kostet umgerechnet ca. 3€, deswegen ist es unmöglich mal eben tonnenweise Essen zu kaufen und auch in Hornsjø müssen wir sehr darauf achten wie viel wir ausgeben. Deswegen haben wir oft nicht so eine große Vielfalt an Essen wie ich es in Deutschland hatte.Stattdessen ist dumpster diving super wichtig hier um an fancy Essen zu gelangen.  So sehr darauf achten zu müssen ist gleichzeitig auch ein mega gutes Training für Afrika, wo wir nicht gerade vielfältiges Essen bekommen werden. 

Ich bekomme durch meine Zeit in der Schule allgemein viele neue Perspektiven gezeigt. Ein großer Teil des Unterrichts ist “Practical Action”. Das kann alles mögliche an praktischer Arbeit sein, in den letzten Wochen haben ich unzählige Möbel durch die Gegend getragen, Hotelzimmer geputzt, stundenlang für Events eingekauft und so weiter und sofort. Obwohl das oftmals eher anstrengende Aufgaben sind, haben mir diese Erfahrungen geholfen alle diejenigen, die täglich miese anstrengende Jobs haben viel mehr wertschätzen. Jetzt sehe ich zum Beispiel nicht mehr nur ein fertiges Hotelzimmer oder ein leckeres Essen, sondern all die Arbeit, die hinter all dem steckt.

Neben all der praktischen Arbeit gibt es in der Schule aber auch noch den ganz normalen Unterricht, in dem wir auf alles was und in Afrika erwartet so gut es geht vorbereitet werden. Natürlich kann man nie hundert Prozent vorbereitet sein, man muss einfach Erfahrungen sammeln und durch learning by doing dazu lernen. 

Die Aufgaben die wir im Unterricht bearbeiten, können manchmal etwas zu umfassend sein, was daran liegt, dass unser Programm noch ganz neu ist und versucht wurde all das Wissen, das andere in anderen Programmen in sches Monaten lernen, in drei Monate zu quetschen. Wenn wir Probleme haben können wir aber immer selbst etwas an der Situation ändern und unseren Unterricht mitgestalten. Ich habe schon viel dazu gelernt, seit ich in der Schule angekommen bin. Inhaltlich hat mit der Unterricht eigentlich gar nicht so viel gebracht, dafür habe ich aber zum Beispiel gelernt Dinge zu organisieren, Menschen zu mobilisieren, wenn ich sie brauche und im Allgemeinen bin ich sehr viel selbstständiger geworden. 

Jeder Tag ist also vollgestopft mit tausend verschiedenen Dingen, neben dem Lernen und praktischen Kram gehen wir auch oft in die nächst größere Stadt um einzukaufen, die ist allerdings 40 min Autofahrt von unserem klitzekleines Dorf entfernt, es dauert also eine Weile bis man da ist und es frisst ziemlich viel Zeit. Gleichzeitig versuchen wir so viel Sport wir möglich in unserem Alltag unterzubringen, gehen schwimmen, laufen oder wandern und Abends klingen wir den Tag meinst bei vielen Tassen Tee aus. Einen super vollen Tag zu haben ist einerseits schön, weil die Zeit dann viel langsamer vergeht, man mehr von dem Leben hier mitnehmen kann und man so viele neue Eindrücke auf einmal hat. Gleichzeitig ist es aber auch ziemlich anstrengend, wenn man nie zu Ruhe kommt und immer irgendwas tut hat man nie die Zeit mal alles zu verarbeiten was man erlebt hat. Ich werde also lernen müssen auch mal Nein zu Dingen zu sagen, wie spannend sie auch sein können, um Zeit für mich zu haben und Energie zu tanken. 

Weil ich ein sehr organisierter Mensch bin und Hornsjø sehr unorganisiert sein kann, was nicht wirklich gut zusammenpasst, bleiben viele organisatorische Aufgaben auch an mir hängen, wodurch es nochmal schwieriger ist einfach Nein zu Dingen zu sagen, die sonst unorganisiert bleiben. Das Gute daran, dass nicht immer alles strukturiert ist, ist die Freiheit, die man dadurch hat zu organisieren, was man will.

Also: war es am Ende sinnvoll herzukommen? Definitiv. 

Ich habe viel dazugelernt seit ich hier bin, bin extrem viel gewachsen und sehr sehr froh hier zu sein. Auch wenn man manchmal sehr viel auf einmal erlebt, am Ende des Tages hat man viele schöne Erinnerungen geschaffen, neue Freundschaften geschlossen und viel fürs Leben dazu gelernt. Obwohl das richtige Reisen noch gar nicht angefangen hat, ist der Fakt dass ich gerade einfach in einem anderen Land lebe und mein eigenes Leben gestalten kann auf jeden Fall eine Bereicherung. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.