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[deu.]: Sambia, wir kommen!

Der Countdown läuft – in genau einer Woche geht es los nach Afrika! Die drei Monate in Norwegen sind schon fast vorbei und der Gedanke daran, dass ich tatsächlich bald in Sambia leben werde wird immer realer. Bald schon werden wir in einer anderen Welt leben, mit einer anderen Kultur mit anderen Regeln und Lebensweisen. Mein Leben wird in vielerlei Hinsicht eine 180 Grad Drehung machen. 

Diese Umstellung wird bestimmt nicht einfach. Die letzten Tage wurde ich sehr oft gefragt, ob ich mich bereit dazu fühle nach Afrika zu gehen – und ich hab jedes mal ganz ehrlich geantwortet: Ich glaube, ich werde niemals vorbereitet genug sein für diese Reise. Niemand kann mir beibringen wie es ist in Afrika zu leben. Das einzige, was ich machen kann, ist dorthin zu gehen und es selbst zu erfahren. Trotzdem habe ich den drei Monaten in Norwegen viel gelernt und mitgegeben bekommen. 

Es gibt hier so viele Leute, die schon in allen Ecken der Welt gewesen sind und ihr Wissen mit uns geteilt haben. Genau dieses Wissen will ich jetzt auch mit dir teilen. Ich kenne viele Tipps und Tricks, weiß darüber Bescheid, worauf ich acht geben sollte und was No-gos in Sambia sind.

Wir werden anderes Essen essen, in der Hitze eingehen, in dunklen Ecken nach Schlangen und Skorpionen suchen, jeden Tag Malariaprophylaxe nehmen und hoffen, dass das ausreicht, um nicht mit Malaria im Krankenhaus zu enden. All das bedeutet eine große Umstellung unser Gewohnheiten und die Art wie wir Leben wird sich hundertprozentig verändern. Wir dürfen zum Beispiel keine Wasserflaschen, Besteck oder ähnliches miteinander teilen, damit falls einer von uns krank ist nicht gleich alle krank sind. Denn dadurch, dass es so heiß ist, vermehren sich die Bakterien in Afrika sehr viel schneller und wir können alle sehr leicht infiziert werden. 

Letztes Wochenende hat unser Team zwei Tage lang für alle andere Schule Aktivitäten unter dem Motto mentale Gesundheit organisiert. Das hat zum einen viel organisatorischen Aufwand bedeutet, wodurch wir viel für die Organisation unserer Projekte in Afrika dazu gelernt haben. Auf der anderen Seite war es eine gute Chance für uns alle uns auch mental auf unsere verschiedenen Reisen vorzubereiten. Denn man kann so viele Geschichten von anderen anhören wie man will, wenn man nicht weiß wie man am Ende mit all den Problemen, die aufkommen werden umgeht, sind all die Infos nicht gerade wertvoll. Deswegen versuchen wir so gelassen wie möglich loszufahren und mit dem Wissen, dass wir aufeinander aufpassen. Denn ich Afrika kann es schnell mal passieren, dass einem alles zu viel wird, weil man als Mosungo (“Weißer” in Bemba) immer im Mittelpunkt steht, angestarrt wird. Denn weil wir so exotisch sind, wird jeder im Umkreis von ein paar Kilometern darüber Bescheid wissen, dass wir da sind und wir werden Gesprächsthema in der Community sein. Weil wir so viel Aufmerksamkeit haben, sollten wir ein Vorbild sein und gutes Benehmen an den Tag legen, was gar nicht mal so einfach ist, denn wir alle haben mal einen schlechten Tag.

Es gibt so viel was zu bedenken ist, damit wir mit dem richtigen Mindset nach Afrika kommen. Und all diese Bedenken sind erstmal vielleicht am meisten darauf fokussiert, was alles Schlimmes passieren kann, damit wir mental auf alles vorbereitet sind. Trotzdem gibt es natürlich eine Grund, warum wir das alles machen. Für mich ist es einen Einblick in eine andere Welt zu haben, in der Milliarden von Menschen aufwachsen. Ich selber lebe hier in meiner kleinen sicheren Blase, aber ich weiß, dass ich da raus muss, um Veränderung schaffen zu können. 

Und es gibt viel worauf ich mich freue. Ich feier jetzt schon die Energie, die unsere Projektmanager immer haben, wenn wir mit ihnen skypen. Unser gesamten Team ist voll von Inspirationen für Projekte und Veränderungen, die wir schaffen wollen. 

Letzte Woche haben wir einen anderen Development Instructor kennengelernt (jeder Schüler meiner Schule ist ein “Development Instructor”, weil es unsere Aufgabe und Vision ist zu Veränderung beizutragen). Er war für ein halbes Jahr in Sambia und ist gerade erst zurück gekommen. In dieser Zeit hat er größere Events mit bis zu 300 Menschen organisiert, dafür Spenden gesammelt (was als Weißer in einem afrikanischen Land für die Einwohner erstmal befremdlich ist). Er hat ein Basketballteam für Jugendliche ins Leben gerufen, auch wenn Basketball in Afrika noch nicht so populär ist. All das hat mich sehr inspiriert meine eigenen Projekte ins Leben zu rufen.

Die letzten Tage ist mir immer wieder aufgefallen wie viel Inspiration, neue Perspektiven und neue Ideen ich hier in meiner Zeit bekommen habe, die mich und meine Einstellung zu vielen Dingen verändert haben. 

Ich habe gelernt, dass es eigentlich egal ist, wo man schläft, Hauptsache man hat ein Dach überm Kopf. Ich hab gezeltet, auf einem Bauernhof mit neun Leuten in einem Zimmer geschlafen und mit denselben Leuten bei Freunden von einem Freund im Wohnzimmer übernachtet. Bequemlichkeit und Komfort sind letztendlich nie wichtig gewesen und solange man tolle Menschen um sich herum hat, ist jeder Aufenthalt eine tolle Erfahrung. Ich habe auch gelernt wie wenig ich über diese Welt eigentlich weiß, wie viele Vorteile ich habe und wie wenig ich andere Kulturen verstehe. In den letzten Tagen hatte ich viele augenöffnende Gespräche über Rumänien. Mir war wie klar wie arm die Bevölkerung dort ist, obwohl es sich um ein europäisches Land in der EU handelt. Vor allem in ländlichen Gegenden gibt es sehr häufig keinen Zugang zu Wasser und Elektrizität. Im Winter wird dort mit Holz geheizt und es gibt keine modernen Sanitäranlagen. Das Einkommen ist relativ gering, weswegen viele Rumänier im Ausland nach Arbeit suchen und zusätzlich ist Korruption ein großes Problem. All das war mir bis jetzt gar nicht so klar und das ist nur ein Beispiel bin vielen Dingen, die ich hier von all den anderen gelernt habe. 

Also bald gehts los und ich freue mich schon sehr darauf. Im Moment werden noch letzte Vorbereitungen getroffen und dann werden wir diesen wundervollen Ort in Norwegen verlassen, mit all seinen tollen Menschen und Lebendigkeit. Ich hoffe noch viel mehr davon in Sambia zu finden. Dann werde ich euch davon berichten. Mal sehen wie viel von allem dem, was ich so an Tipps und Tricks mitbekommen habe wirklich nützlich sein werden, was sich an Befürchtungen bewahrheitet, aber auch wie viel Neues ich über diese Welt lernen werde.

Danke, dass du bis hierhin durchgehalten hast 🙂 Ich könnte noch sooo viel darüber erzählen, was mich wahrscheinlich so erwarten wird, will dir deine Zeit aber auch nicht nehmen. Ich hoffe, dir geht’s gut und du nutzt deine Zeit gut 🙂

Bis ganz bald

Anne

Ein Kommentar

  • Björn D.

    Na denn mal los! Wir denken an dich.
    Übrigens: Mit Holz zu heizen ist vergleichsweise umweltfreundlich und modern. Allerdings kenne ich nicht die Feuerstätten, die so in Osteuropa rumstehen.
    Rumänier😃😄

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